Bäckerei Mäder
rechts Bäckerei Mäder
Bäckerei Hartmann
Der Hartmann-Bäcker bei der Arbeit

Liebe Geschichts-Interessierte, liebe Leserinnen und Leser!

Sohland

in dieser Ausgabe unseres Amtsblattes setzen wir den Rückblick auf das Taubenheimer Bäckerei-Handwerk fort.

In dem großen Haus direkt an der Hauptstraße hatte der Mäder - Bäcker sein Domizil. Im Gegensatz zu den anderen Bäckern lag hier der Schwerpunkt auf der Konditoreiware. Ab 08.10.1910 begann der Betrieb als Brot-, Weiß- und Feinbäckerei. Die Bäckerei war auch ein Familienbetrieb und ging von Guido Mäder an seinen Sohn Walter Mäder über. Nachdem das Gewerbe von 1941 bis 1945 ruhte meldete Walter Mäder am 22.11.1945 das Gewebe wieder an. Ab 1952 erhielt er die Genehmigung zur Herstellung und dem Verkauf von Speiseeis.

Noch heute ist Frau Mäder vielen Taubenheimern in Erinnerung geblieben durch ihre akkurate besondere Kleidung: eine weiße Schürze mit Spitze nach oben zulaufend und mit einer Brosche festgesteckt.

Die Bäckerei Mäder gehörte nach dem Krieg auch zu den Verkaufsstellen, die den Milchverkauf anbieten durften. Das war ein Privileg und mußte beantragt werden. Da kam es auch zu Konkurrenz - Streitigkeiten, die von Amt und Bürgermeister geschlichtet werden mußten. 1973 wurde die Bäckerei und Konditorei Mäder geschlossen.

Der Ortsteil Neutaubenheim bekam 1934 auch eine Bäckerei. Emil Hartmann entstammte einer großen Bäckerfamilie aus Wilthen. Fünf Brüder, allesamt Bäcker. In einer so großen Familie - da konnte kein Auskommen für alle Familienmitglieder gewährleistet sein. Emil Hartmann entschloß sich, auf der Suche nach einem Standort, für eine eigene Bäckerei, für Taubenheim. Also begann man 1934 mit dem Bau des Hauses in Neutaubenheim. Es wurden nur Handwerksbetriebe aus dem Ort verpflichtet und so ging es mit dem Bau unglaublich schnell voran. Bereits nach einem reichlichen halben Jahr war das Haus fertig und auch der Bäckereibetrieb konnte beginnen. Ein sehr schöner Laden mit vielen Grünpflanzen, ein Schmuckstück zur damaligen Zeit, war in kürzester Zeit entstanden.

Auch während des Zweiten Weltkrieges war die Bäckerei nicht geschlossen, es wurde sogar Brot mit dem Leiterwagen an die Niedermühle geliefert, damit dort der Verkauf weitergehen konnte.

Beim Hartmann- Bäcker gab es ausgesprochen gute Semmeln, die Mohnzöpfe waren die Besten der Welt. Da waren sich die Taubenheimer einig. Aus meiner Erinnerungskiste: Damals hatten wir noch samstags Schule. Zu Hause angekommen gab es Hartmann-Mohnzöpfe und dazu Kakao. Da ging nichts drüber. Oft erbettelten wir uns die knusprigen Kuchenränder, die wir dann auf den Stufen der Bäckerei genüßlich verspeisten. Im Sommer bot der Bäcker für die Kinder einen Schaum im Becher an. Besonders den mit Erdbeergeschmack liebten wir. Und jedes Jahr ein Erlebnis: die Stollenbäckerei. Der Duft ist mir heute noch gegenwärtig. Mit meiner Oma und dem großen Wäschekorb zogen wir los in die Backstube, wo ein großes Gewusel herrschte. An die zwanzig Stollen wanderten so jedes Jahr aus der Hartmannschen Backstube auf unseren Kaffeetisch.

1969 wurde die Bäckerei Hartmann geschlossen. Aber bis 1972 konnte man noch zum Stollenbacken in die Backstube kommen.

Text u. Daten: Silvia Hauptmann, Matthias Gutsche

Fotos: Sammlung Tobias Lehmann

Fortsetzung folgt

Artikel veröffentlicht am 04.05.2021 von Amtsblatt der Gemeinde Sohland mit den Ortschaften Sohland, Taubenheim und Wehrs 5 / 2021